
Ich weiss noch genau, wie ich früher mit Geld umgegangen bin. Am Ende des Monats war es einfach weg. Nicht komplett sinnlos ausgegeben. Aber auch nicht bewusst. Ein bisschen hier, ein bisschen dort. Ein Abo, das ich kaum nutzte. Restaurantbesuche. Spontane Käufe. Und Dinge, von denen ich überzeugt war, dass ich sie „verdient“ habe. Ich dachte, das sei normal.
Erst Jahre später habe ich verstanden, was mich das wirklich gekostet hat. Nicht nur viel Geld – sondern vor allem Zeit. Zeit, in der mein Geld für mich hätte arbeiten können.
Das Problem war nie mein Einkommen. Das Problem war, dass ich nie gelernt habe, wie Geld wirklich funktioniert. Wenn ich heute meinem 20-jährigen Ich gegenübersitzen würde, würde ich ihm genau diese Dinge sagen:
1. Übernimm die volle Verantwortung
Ich habe früher oft Gründe im Aussen gesucht. Der Job. Die Umstände. Das System.
Die Wahrheit ist einfacher: Du bist verantwortlich.
Sobald ich das verstanden habe, hat sich alles verändert. Ich habe angefangen, aktive Entscheidungen zu treffen.
Mehr Gehalt fordern. Den Job hinterfragen. Neue Wege suchen.
Solange du anderen die Schuld gibst, bleibst du stehen.
2. Bilde dich in Finanzen weiter
Über Geld lernst du in der Schule praktisch nichts. Ich hatte das Thema nicht einmal in meiner kaufmännischen Ausbildung. Stattdessen lernst du vieles, das im Alltag kaum relevant ist – aber wie man mit Geld umgeht, musst du dir selbst beibringen.
Und ganz ehrlich: Wenn du Stunden in die Recherche für ein neues Handy oder deine Ferien steckst, kannst du diese Zeit auch in Finanzwissen investieren.
Ich habe erst mit etwa 30 angefangen, mich mit Investieren zu beschäftigen. Das hat mich rückblickend sehr viel Geld gekostet.
3 Bücher die ich empfehlen kann:
- Über die Psychologie des Geldes: Zeitlose Lektionen über Reichtum, Gier und Glück – Morgan Housel
- Souverän investieren für Einsteiger: Wie Sie mit ETFs ein Vermögen bilden – Gerd Kommer
- Der Weg zur finanziellen Freiheit – Bodo Schäfer
3. Führe ein Haushaltsbuch
Ich dachte immer, ich hätte meine Ausgaben im Griff. Hatte ich nicht.
Erst als ich alles aufgeschrieben habe, wurde es offensichtlich.
Rauchen. Abos. Restaurantbesuche. Kleinigkeiten, die sich summiert haben.
Das Haushaltsbuch war unangenehm – aber ehrlich. Und genau das brauchst du.
4. Kenne die Lifestyle-Inflation
Mit mehr Geld kam nicht mehr Freiheit. Sondern mehr Ausgaben.
Bessere Wohnung. Teureres Auto. Mehr Konsum.
Es fühlt sich verdient an. Ist aber oft nur Gewohnheit. Ich habe gelernt, bewusst gegenzusteuern.
Heute geht ein Teil jeder Lohnerhöhung direkt ins Sparen oder Investieren. Bevor ich mich daran gewöhne, mehr auszugeben.
5. Bezahle dich zuerst
Früher habe ich gespart, was am Ende übrig blieb.
Spoiler: Meistens nichts.
Heute läuft es anders. Sobald der Lohn kommt, geht ein fixer Betrag weg.
Automatisch. Kein Nachdenken. Keine Diskussion.
Das war eine der einfachsten – und effektivsten – Veränderungen.
6. Kümmere dich um deine Altersvorsorge
Ich sehe täglich, wie viele Menschen sich darauf verlassen, dass „es schon reicht“.
Tut es nicht. Das habe ich früh verstanden – und bin froh darum.
Wenn du in der Schweiz lebst, ist die 3. Säule kein „Nice to have“. Sie ist Pflicht, wenn du später entspannt leben willst. Und wenn du sie nutzt, sparst du sogar noch Steuern. Wenn es in deinem Land keine solche Möglichkeit gibt, investiere einen Teil an der Börse.
7. Hinterfrage tägliche Ausgaben
Früher waren es Kleinigkeiten. Ein Kaffee hier. Eine Packung Zigaretten dort.
Nichts Dramatisches.
Bis ich es zusammengezählt habe. Plötzlich waren es mehrere tausend Franken im Jahr.
Seitdem frage ich mich bei solchen Ausgaben: Will ich das wirklich – oder ist es nur Gewohnheit?
Ein Beispiel:
8.10 CHF pro Tag für Zigaretten
→ 243 CHF pro Monat
→ 2’916 CHF pro Jahr
Das ist Geld, das du auch investieren könntest.
8. Verstehe den Zinseszinseffekt
Das ist der Punkt, den ich am meisten unterschätzt habe.
Zeit ist der wichtigste Faktor. Hätte ich früher angefangen, hätte mein Geld viel länger für mich gearbeitet.
Und genau das macht am Ende den Unterschied.
Beispiel:
300 CHF pro Monat über 44 Jahre bei 6 % Rendite
→ Eingezahlt: 158’400 CHF
→ Zinsen: über 580’000 CHF
→ Endkapital: über 740’000 CHF
Das zeigt: Zeit ist wichtiger als Timing.
Online-Rechner: Gehe auf diese Seite und spiele damit herum: https://www.finanzfluss.de/rechner/zinseszinsrechner/
9. Einkommen und Ausgaben müssen zusammenpassen
Das klingt banal – ist aber entscheidend. Du kannst viel verdienen und trotzdem pleite sein.
Ich habe oft gesehen, wie Menschen genau daran scheitern.
Heute ist die Regel einfach:
Ich gebe weniger aus, als ich verdiene. Immer.
10. Baue dir ein Notfallpolster auf
Früher haben mich unerwartete Ausgaben sofort gestresst.
Heute nicht mehr.
Spare mindestens 3 Monatsausgaben. Besser sind 6–12 Monate.
Dieses Geld liegt auf einem separaten Konto. Du nutzt es nur für echte Notfälle:
- Jobverlust
- Autoreparatur
- medizinische Kosten
Nicht für Ferien oder Konsum.
Dieses Polster gibt dir enorme Sicherheit. Falls du es mal anfassen musst, schaue, dass es so schnell wie möglich wieder aufgefüllt wird
11. Investiere an der Börse
Der Schritt zum Investieren war lange eine Hürde. Unsicherheit. Zweifel. Zu wenig Wissen.
Im Nachhinein war es einfacher als gedacht. Ein gutes Buch über ETF und du bist gewappnet.
Wichtig ist nicht, perfekt zu starten. Sondern überhaupt zu starten.
Beachte: Investiere langfristig an der Börse. Kurzfristiges Daytrading gleicht eher Glücksspiel als einer nachhaltigen Strategie
12. Schütze dich vor Impulskäufen
Ich habe oft Dinge gekauft, die ich eigentlich nicht brauchte.
Einfach, weil es sich in dem Moment gut angefühlt hat.
Heute warte ich.
24 Stunden bei kleinen Dingen.
30 Tage bei grösseren.
Erstaunlich oft erledigt sich der Kauf von selbst.
13. Kaufe Qualität
Ich habe oft billig gekauft – und doppelt bezahlt.
Heute denke ich anders.
Lieber einmal richtig investieren, als mehrmals günstig kaufen.
Das spart langfristig Geld und Nerven.
14. Öffne deine Post sofort
Klingt banal, macht aber einen Unterschied.
Ich hatte einmal fast zusätzliche Kosten, nur weil ich zu spät reagiert habe.
Seitdem: Post auf – sofort.
15. Setze dich weniger Werbung aus
Werbung funktioniert. Auch bei mir. Sie erzeugt Bedürfnisse, die vorher nicht da waren.
Je weniger ich davon sehe, desto weniger kaufe ich unnötig.
So einfach ist das. Melde dich von Newslettern ab, nutze einen Adblocker.
Ein guter Ad Blocker ist z.B. https://ublockorigin.com/
16. Überprüfe regelmässig deine Versicherungen
Ich habe lange einfach bezahlt – ohne zu hinterfragen. Viele Versicherungen sind sinnvoll. Aber nicht alle in jeder Situation.
Als ich angefangen habe, das zu prüfen, konnte ich einiges optimieren.
Weniger Kosten. Gleicher oder besserer Schutz.
17. Mache Geld nicht zum Mittelpunkt deines Lebens
Ich habe gelernt: Geld ist wichtig – aber nicht alles. Zu wenig davonmacht Stress. Mehr davon löst nicht alle Probleme. Macht nicht mehr glücklich. Das verkauft dir nur die Werbung.
Das Ziel ist nicht, möglichst viel zu haben. Sondern entspannt damit umgehen zu können. Das macht frei und gelassen.
Der Schauspieler Jim Carrey hat es treffend formuliert: „Ich hoffe, dass jeder reich und berühmt werden kann und alles bekommt, wovon er jemals geträumt hat, damit er erkennt, dass es nicht die Antwort ist.“ Glück kommt von innen, nicht im Aussen.
Fazit
Ich hätte vieles früher verstehen können.
Habe ich aber nicht.
Und genau deshalb schreibe ich das hier.
Wenn du nur ein paar dieser Punkte früher umsetzt als ich, sparst du dir nicht nur Geld – sondern vor allem Zeit.
Und Zeit ist am Ende das Wertvollste, was du hast.
Hinweis:
Das ist keine Finanzberatung, sondern meine persönliche Erfahrung.
Investieren ist immer mit Risiken verbunden. Informiere dich gut und triff deine Entscheidungen bewusst.

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